Vorstellung

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Beitragvon dphn » 28. Dez 2011, 18:08

Hallo zusammen, [smile]

ich bin 41, frau- und kinderlos und alkoholabhängig. Lebe seit nunmehr 25 Monaten rückfallfrei trocken. Habe in 20 Jahren Suchtkarriere keine trockene Woche gehabt, mir gelang es aber zwischendrin immer wieder mal unauffälig und somit weniger zu trinken. Hatte über den gesamten Zeitraum immer wieder Totalabstürze und konnte immer seltener den Konsum kontrollieren. Ich gehöre zur Gamma-Kategorie und einen Trinkbeginn vor dem Vollrausch abbrechen gelang mir zuletzt nur mit allergrößter Anstrengung, da ich berufstätig bin und meinen Job behalten wollte. Die Entzugserscheinungen zwangen mich dann in die Knie. Ich konnte gar nicht mehr ohne Stoff leben und schlief nur noch besoffen, ansonsten rannte ich förmlich die Wände hoch. Ich ging im Nov. 2009 nach einigen kalten Entzügen mit Angst- und Panikattacken zur Entgiftung und machte eine LZT bis Mai 2010. Die angesoffenen Angstzustände machten mir noch einige Monate zu schaffen, sind inzwischen aber verschwunden. Mein Selbstwert war zuletzt deutlich unter Null, ich habe lange gebraucht umd wieder zu mir zu finden.

Ich habe viel verändert in der Zeit. Ich habe suchtfreie Kontakte und habe mir in einer anderen Gegend in unserer Stadt eine sehr schöne Wohnung genommen, die ich renoviert und komplett neu eingerichtet habe. Ich leite eine Selbsthilfegruppe für junge Erwachsene und helfe bei den ersten trockenen Schritten.

Das liest sich alles richtig gut und dennoch nagt die Sucht immer wieder mal an mir. Ich sorge gut für mich und fühle mich im neuen Zuhause auch sehr wohl und will hier auch nicht trinken.

Problematischer sieht es aus, wenn ich verreise. Mir fällt es noch immer schwer dem Alkohol "relaxt" gegenüberzustehen. Ich war mit meinen Eltern in einem Hotel über die Weihnachtsfeiertage und dort tanzt das Suchtmittel ja ständig um einen rum. Zu Beginn nahm ich das noch locker, aber nach den ersten beiden Tagen wollte ich das nicht mehr ertragen. Meine Stimmung sackte ziemlich in den Keller, weil ich glaubte, die Kellnerin machte sich noch lustig über uns, weil wir nur "Sabbelwasser" trinken und nicht den extra zu den Gerichten ausgesuchten Wein des Hauses. Noch ein paar Tage und ich wäre zur Tanke gerannt.

Im Hotelzimmer fiel mir dann wieder O. Ameisen und Baclofen ein. Vielleicht hilft es mir, einfach gelassen zu bleiben und dem Alkohol keine Aufmerksamkeit zu schenken. Ich brauche ihn doch nicht mehr.

Gestern abend wieder zuhause wurde ich auch tätig und bestellte das Bac. Auch Ameisens Buch kenne ich bislang nur auszugsweise und habe es nun bestellt.

Liebe Grüße
Dirk
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Re: Vorstellung

Beitragvon argentina » 28. Dez 2011, 19:12

Hallo Dirk,

Herzlich willkommen hier im Forum und „nachträglich“ Frohe Weihnachten.

Die meisten Mitglieder hier im Forum die schon einmal lange Trocken waren und dann wieder einen Rückfall hatten, haben sehr gute Erfahrung mit Baclofen gemacht. Da du selbst schon 25 Monate OHNE Bac trocken bist, gehe ich davon aus das du auch sehr gute Erfahrungen machen wirst!!

Da du selbst eine SHG leitest, könntest du ja mal ein paar generelle Tips für die ersten Schritte ins trockene Leben geben – wenn du magst. Für Leute wie mich könnte das sehr hilfreich sein!!!

Ansonsten hoffe ich das du hier bei uns die entsprechende Hilfe mit Bac bekommst und ich wünsche dir jetzt schon viel Erfolg dabei!

Lg, Argentina
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Re: Vorstellung

Beitragvon dphn » 28. Dez 2011, 20:09

Hallo argentina, :)

danke für deine liebe Begrüßung. Bin ja selbst noch ein Frischling, deshalb mache ich ja auch unsere junge Gruppe. Aber gerne ein paar Worte von mir dazu.
Was brauche ich zum Trockenbleiben? Der eigene Wille ist natürlich unabdingbar, aber bei weitem nicht ausreichend. Ich konnte erst trocken bleiben, als mir klar war, dass ich abhängig bin. Ich sehe es praktisch heute noch vor mir, wie diese wahnsinnige Gier nach immer mehr Stoff mich beherrscht hat. Ich fing an zu trinken und lief nur noch ferngesteuert durch die Gegend und holte mehr. Diese Entwicklung, wie die Sucht immer mehr Anteile von meinem Leben nahm und ich an nichts anderes mehr denken konnte als an Alkohol. Daraus resultierend folgt die Akzeptanz alkoholkrank zu sein. Ich musste es allerdings ganz deutlich vor mir sehen, dass ich nahezu handlungsunfähig wurde und dem Stoff total verfallen war. Ich konnte entzugsbedingt nicht mehr arbeiten gehen, obwohl ich noch wollte. Ich wollte alles dafür tun, dass die Sucht niemand bemerkt und habe Qualen hinter mir, wo ich heute froh und dankbar bin, dass das nicht mehr so ist.
Diese Dinge immer wieder mal mit anderen trockenen Alkoholikern austauschen ist wichtig, denn nur so kannst du dem Suchtgedächtnis entgegenwirken, was dir immer wieder mal vorgaukelt, es wäre doch mal wieder schön. Von daher finde ich SHG eine sehr gute Sache. Ich habe dort auch einige neue Freunde gefunden, wir treffen uns auch privat, trinken Kaffee, gehen gerne in die Sauna. Es muss also auch etwas Ausgewogenheit her. Eine Sportskanone bin ich nicht, ich stehe mehr auf Entspannung und Erholung und glaube, dass mir das gut tut.

Ich hätte es bis hierhin nicht geschafft, wenn mir mein Job nicht noch wichtig gewesen wäre. Zu Beginn bin ich nur wegen der Arbeit trocken geblieben, aber es ist mehr daraus geworden. Nach eineinhalb trockenen Jahren war ich auch bereit umzuziehen. Ich konnte nicht mehr in meiner alten Suffibude wohnen. Ich habe es gespürt und ich habe gehandelt. Ich freue mich, wenn ich mich gut fühle und weiß das zu schätzen. Mit meiner LZT konnte ichso kurz nach dem Entzug noch gar nicht soviel anfangen, aber ich habe es nicht vergessen. Das "Handwerkszeug" bekommst du dort, doch umsetzen musst du es selbst. Sicherlich spielt deine soziale Situation eine wichtige Rolle. Ich lebe zwar alleine, ich bin aber noch nicht völlig abgebrannt und kann auch etwas Geld in die Dinge investieren, die gut für mich sind.

Noch was zur SHG. Ich verlor mit knappen 3 Promille vor 15 Jahren meinen Führerschein. Ich besuchte zwecks MPU-Vorbereitung eine SHG. Der dortige Gruppenleiter erzählte mir etwas über meine Zukunft, wenn ich weitertrinke. Ich konnte das damals nicht annehmen und süchtig war ich sowieso nicht. Er erzählte mir genau das, was ich eingangs in diesem Beitrag über mich geschrieben habe. Genau das gebe ich auch an unsere "Führerschein-Leute" weiter und auch sie werden es nicht glauben. Auch sie sind bereits mittendrin im Sog der Sucht, aber den entscheidenden Faktor kann ich in die Personen nicht reinhämmern. Die Akzeptanz.

LG
Dirk
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Re: Vorstellung

Beitragvon argentina » 29. Dez 2011, 01:00

Hallo Dirk,

Dein Bericht ist genau die Art von Bericht die ich JEDEN Tag lesen müsste um endlich aufzuhören mich selbszubelügen!!!!!!!! Ich bin dir sehr sehr dankbar für deine klar formulierte Stellungnahme!! Der eigene Wille spielt eine wichtige, aber selbst der ist nur sporadisch bei mir vorhanden. Die Akzeptanz das ich alkholsüchtig bin verändert sich „täglich“, mal ja, mal nein, mal vielleicht. Wenn die Angst ins Spiel kommt ist mir zumindestens klar das ich vielleicht JETZT „alkholsüchtig – gefährdet“ bin, das sage ich allerfings heute, weil ich Bac als Hilfe habe!!! Das ich allerdings jederzeit – in 1 oder 2 Jahren - völlig am Abgrund sein kann, ist mir klar. Und da will ich nicht hin!

Du hast noch keine Erfahrungen mit Bac und bist dennoch trocken, was ich bewundernswert finde, auch wenn ich mir vorstellen kann das du sehr schlimme Zeiten durchgemacht hast. Was ich aber eigentlich sagen will ist, das Bac in meinen Augen auch seine Schattenseiten hat ( ich rede hier nur für mich und für meine Erfahrungen). Da schluckt man also dieses „Pillchen“ und schwupp hat man kein Craving mehr. Ich versuche jetzt etwas zu sagen, wovon ich hoffe das es von niemanden falsch aufgegriffen wird.

Für euch, die vielleicht wirklich schon den Abgrund gesehen habt, ist Baclofen vielleicht deswegen so extrem wirkungsvoll um weiterhin trocken zu bleiben, weil ihr es schon ohne Bac oft viele Jahre / Monate wart. Aber für mich, die sich eigentlich nicht so ganz sicher ist ob sie nun Alkoholkrank ist oder nicht – doch ich bin es – aber ich habe oft das Gefühl das ich genau durch die positive Wirkung von Bac, nämlich kein Craving mehr zu haben – DOCH wieder zur Flasche greife. Ich glaube wenn ich jeden Tag Craving hätte, wäre mir bewusster das ich krank bin und VIELLEICHT wäre mein Kampfgeist mehr geweckt, aber so schlucke ich mein Bac und wenn ich Lust habe mich abzuschießen weil gerade mal wieder eine Krise in mein Leben tritt tue ich es, dosiere am nächsten Tag hoch und alles ist wieder gut. Ich schreibe das jetzt alles mal so ganz salopp, weil ich nicht schon wieder einen Roman hier schreiben möchte. Aus genau dem selben Grund glaube ich auch NICHT das Bac den Alkoholismus heilen kann ( wie es manche behaupten). Ob es irgendwann zu einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Alkohol kommt, werde ich hoffentlich noch eines Tages merken, aber ob selbst das mich gegen den Griff zur Flasche in einer schweren Krise abhält bewage ich jetzt schon zu bezweifel – da spielt dann wieder der Wille eine Rolle. Genauso wenig glaube ich das man mit Bac moderat trinken kann, was glaube ich die Hoffnung vieler hier im Forum ist / war, meiner eingeschlossen und ich gleich mehrmals auf der „Schnauze“ gelandet bin! Ich glaube nach wie vor an die klassische Version das man Alkoholismus NUR mit Abstinenz unter Kontrolle bekommt und das Bac auf jeden Fall eine große Hilfe für diejenigen sein kann die sich dieses Ziel wünschen.

Aus deiner eigenen Erfahrung als SHG Leiter kann ich mir aber denken das viele dir ähnliches sagen was ich dir gerade geschrieben habe, nämlich das die Akzeptanz fehlt um sich einzugestehen das man ein armer Schlucker ist!!

Was dein Umzug in eine andere Umgebung angeht empfinde ich als positiv. Ich spiele auch mit dem Gedanken bzw. mit dem Wunsch, aber einfach so sein Haus zu verkaufen ist auch nicht so leicht. Ich habe oft die Paranoia das mich alle Nachbarn angucken, das sie mir im Gesicht ansehen das ich ein Alkohol Problem habe. Nicht anders ergeht es mir in diversen Supermärkten ( kleine Tante Emma Läden!!, umso schlimmer), wo ich allerdings wirklich schon mehrmals betrunken aufgetaucht bin – furchbar. Aus diesen Umständen ist mein Sozialleben auch auf Null. Viele Jahre habe ich alle Einladungen abgesagt weil ich lieber alleine zu Hause was trinken wollte und nun will keiner mehr was von mir wissen. Den einzigsten Rückhalt den heute noch habe sind meine Kontakte nach Deutschland ( ich lebe seit 10 Jahren in Argentinien) und dort weiß keiner etwas von meinem Alk - Problem, also gaukel ich denen allen etwas vor....

Eine SHG würde ich auch als sehr hilfreich empfinden aber das ist hier schlicht unmöglich. Spiele allerdings schon mit dem Gedanken selbst eine zu gründen aber in so einer Kleinstadt wie in meiner ist das auch so eine Sache für sich. Damit würde ich mich erst recht outen und eigentlich möchte ich das nicht wirklich.

So genug für heute, ich habe schon wieder viel mehr geschrieben als ich es mal wieder wollte!! Nimm es mir nicht übel und vielen vielen Dank für deinen hilfreichen Bericht!! Ich denke nicht nur ich werden ihn als hilfreich empfinden.

Lg, Argentina
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Re: Vorstellung

Beitragvon dphn » 29. Dez 2011, 10:10

Hallo Argentina,

ich kenne das, was du schreibst nur zu gut. Bedenke immer eines. Wenn du nicht alkoholsüchtig wärst, würdest du dir über deinen Konsum überhaupt keine Gedanken machen. Es wäre dir egal, ob du mal was alkoholisches trinkst oder was anderes. Das Kriterium, was eine Abhängigkeit ausmacht, ist der Stellenwert, den das Suchtmittel in deinem Leben hat. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob du mal ein paar Tage mit weniger Alkohol kannst oder nicht.

Ich konnte zum Beispiel lange Zeit anderen Leuten vorgaukeln, dass ich ganz normal trinke. Es fiel nicht weiter auf, wenn ich fortging. Fakt war aber, dass ich nur auf den Zeitpunkt gewartet habe, dass die anderen verschwinden und ich mich alleine in der Wohnung besaufen konnte. Das sah ja dann niemand mehr.

Es gab auch Tage da hatte ich es "scheinbar" wieder im Griff. Ich trank ganz brav nur 3 Bier und fand das so richtig klasse, dass ich mal nicht betrunken war. Spürst du das Gedankenkarussell in diesen Sätzen. Alles dreht sich permanent um den Stoff. Es dauerte auch nie lange, bis ich mich wieder komplett abschoss. Ich trank dann meist so 7 - 8 Halbe, danach ne Flasche Wein und noch Hochprozentiges von der Tanke. Ich pennte draußen auf der Parkbank, im Treppenhaus, in Bahnhöfen, im Auto, fand den Weg nicht mehr nach Hause. Die Abstürze machten aus mir einen Totalschaden. Ich bin nicht aggressiv, aber depressiv und springe irgendwann oder sauf mich tot.

Ich hörte wirklich nur auf, weil ich einen guten Job habe. Es war mein letzter Halt und ich konnte nicht mehr arbeiten. Ich war soweit, dass ich am liebsten die Kohle mit der Post bekommen hätte und der Stoff auch von alleine in meine Wohnung kommt. Ich wollte nur noch saufen, weil ich mich sonst nicht mehr ertragen konnte. Ich bekam kaum noch die Augen auf, schlief keine Minute mehr ohne Stoff und Essen ging nur noch sporadisch. Morgens mümmelte ich ne gefühlte Stunde an einer Scheibe Brot und bekams kaum runter. Getrunken habe ich nachts noch, damit ich nicht allzu entzügig bin und bildete mir ein, dass man zu Dienstbeginn den Stoff nicht mehr riecht. Ich gab mir wahnsinnige Mühe und roch tatsächlich nicht immer nach Alk. Dafür konnte ich dann aber keinem Mensch mehr die Pfoten geben und die Hände waren klatschnass wie ein Schwamm.

Ob du es glaubst oder nicht, soooo süchtig war ich für meine Begriffe aber trotzdem nicht. Ich begriff es dann, als ich so schweren Entzug hatte, dass ich am ganzen Körper zappelte und krampfte, auch tagsüber. Ich war bei meinen Eltern und schloss mich ein, damit das niemand sieht, aber ich wollte da unbedingt durch und wieder aufhören. Ich kann froh sein, dass ich noch da bin. Ein Krampfanfall mit Bewusstlosigkeit führt schnell zum Tod, wenn niemand da ist, aber ich wusste das damals nicht. Ich brach noch ein paar Mal zusammen, war zweimal pro Woche in der Notaufnahme und dann wollte ich endlich zur Entgiftung und konnte auch sagen, dass ich abhängig bin. Diese nun sehr klare Sicht auf die Dinge muss wachsen und das kannst du nur durch Trockenheit erreichen.

Mein Problem ist, dass ich noch zuviel kämpfe gegen die Sucht und glaube, dass mich der Alk irgendwann wieder einholt. So mit allen Sinnen trocken bleiben kann ich nicht, ich regel das alles über meinen Verstand und deshalb möchte ich das Bac ausprobieren. Es gibt bei mir Momente und Situationen im Leben, wo ich einfach richtig Bock habe zu saufen. Das ist dann kein Verstand, das sind die Gefühle, die irgendwann über den Verstand siegen werden. Den Moment des Rausches einfach noch einmal erleben zu wollen und ganz schnell habe ich die Erlebnisse mit den Entzügen wieder verdrängt, bzw. glaube, dass war doch alles nicht so schlimm. Und genau das ist typisches Verhalten für einen süchtigen Mensch. Womöglich hol ich mir dann noch ne Packung Diazepam und glaube, dass ich ja gar keinen Entzug mehr habe.

Ich kann nicht mit Alkohol umgehen und ich will auch gar keine 2 Bier trinken. Wenn ich es aushalten würde, wäre es verdammt anstrengend. Also lass ich es doch besser ganz bleiben und nehme Bac als Unterstürzung.

LG
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Re: Vorstellung

Beitragvon chrisi1966 » 29. Dez 2011, 14:27

Hallo Dirk,


wollte auch mal schnell "Hallo" sagen, hab auch erst angefangen hier zu schreiben.
Mit Bac hab ich heute den dritten Tag begonnen.

Ich freu mich wenn noch jemand da ist, der mitschreibt und mitliest.
Mir gibt das Halt hier, bin immer am mitlesen [twiddle] zum schreiben fehlt immer mal die Zeit, geb mir aber Mühe, brauche den Kontakt.

Viele liebe Grüße


Christine [hi_bye]
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Re: Vorstellung

Beitragvon argentina » 29. Dez 2011, 15:28

Hallo Dirk,

Danke für deine schnelle Antwort ...hört sich Horrormässig an!! Mir machen solche Berichte wirklich Angst, aber das ist nur gut so!!

Wie gesagt, ich denke du wirst mit Baclofen eine gute Unterstützung haben um trocken zu bleiben und ich hoffe das das Bac bald bei dir Eintrifft und du dann weiter berichtest.

Bis Bald, Argentina
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Re: Vorstellung

Beitragvon dphn » 29. Dez 2011, 20:56

so, Ameisens Buch ist bereits da. Was mich direkt beeindruckt ist, dass Ameisen auch unter Angstzuständen litt und diese mit Bac auch in den Griff bekam. Ich leide auch unter einer latent vorhandenen Angst, die sich normalerweise nur in Anspannungszuständen äußert. D.h. ich kann damit umgehen.
Durch wiederholte Alkentzüge erst kamen bei mir dann Panikattacken dazu, wo ich wirklich glaubte, meine letzten Minuten brechen an. Mir blieb nichts anderes übrig als hemmungslos zu saufen. Das war meine Schlussphase. Ich machte einen qualifizierten Entzug und hatte noch immer Panikattacken. Ich traute mich nicht mehr raus, konnte kaum noch einkaufen, aber ich trank dennoch nicht mehr. Mir war einfach klar, dass ich nur eine Chance habe, dass es besser wird, wenn ich nicht trinke.
Was war zuerst da? Die Angst oder die Sucht? Das ist genau sowas wie das mit der Henne und dem Ei. Fakt ist aber, dass sich vorhandene Ängste im Entzug eines Suchtmittels steigern, woraufhin dann natürlich noch mehr konsumiert wird.

LG
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Re: Vorstellung

Beitragvon dandelion » 30. Dez 2011, 12:59

Ha meine Worte, das Ei natürlich in Form von Angst.
Wir hatten das hier schon mehrfach diskutiert, der Ansatz ist der, dass Du anfangs lernst, durch Alkohol eine latent vorhande Verklemmung (Angst blöde anzukommen etc.) scheinbar zu beheben. Durch den Alkohol werden diese zwar temporär abgeschaltet, aber nicht verarbeitet. In Trockenphasen kommt dann Scham und Versagensangst dazu. Dein Selbstbewußtsein geht in den freien Fall, aus der Neurose wird eine Psychose.

Was Du beschreibst ist bei vielen der Fall, auch die Wechselwirkung von Angst und Depression. Bei vielen hilft hier Baclofen, bei mir z.B. eher weniger. Ich habe festgestellt, dass es mich zwar unterstützt, man sich aber den Situationen bewußt aussetzen muß, um die gespeicherten Prozesse wieder zu überschreiben. Ein guter Freund hat mir hierzu etwas geschickt und so ist es wirklich, auch mit Baclofen:

Um also eine lange Geschichte kurz zu machen, hier die Fragestellung: Wie wird man die Angst wieder los?

Laut Bandelow ist das ganz leicht: Ein Hund, den man auf eine heiße Herdplatte setzt, wird sehr schnell lernen, vor dieser Herdplatte Angst zu haben. Er wird außerdem vor dem Herd Angst haben, vor der Küche und vor demjenigen, der ihn auf die Herdplatte setzt. Nach 2-3 mal hat der Hund die Angst "erlernt".

Will man dem Hund nun diese Angst vor der Herdplatte abgewöhnen, so kann man ihn auf die Herdplatte setzen und diese einfach ausgeschaltet lassen. Diesmal wird es aber nicht nur 2-3 mal dauern, bis der Hund die Angst wieder losgeworden ist. Man muss den Hund erst 30-50 mal auf diese kalte Herdplatte setzen, damit er seine Angst verliert.

Und genauso funktioniert laut Bandelow die Heilung der Angst. Man muss sich mit der Angst konfrontieren. Und zwar nicht "Schritt für Schritt", sondern auf die harte Tour "direkt rein ins kalte Wasser". Man darf die Versuche niemals abbrechen (das verstärkt die Angst!), sondern muss in den Situationen immer solange bleiben, bis die Angst verflogen ist (so lernt der Körper, dass er keine Angst zu haben braucht).

Ich weiß nicht, ob ich das bereits an früherer Stelle erwähnt habe. Aber bei mir war es ganz oft so, dass ich mich den Ängsten gestellt habe und dann auch meine Angst verloren hatte, sie aber am nächsten Tag wieder genauso da war, wie am Tag zuvor. Das war sehr frustrierend. Und jetzt weiß ich endlich, woran es gelegen hat. Durch 2-3 mal verlernt mein Körper die Angst eben nicht, sondern erst durch 30-50 mal. Und wenn sie am Tag zuvor verschwunden war, dann muss ich mich am nächsten Tag wieder der Angst stellen und darf noch nicht erwarten, dass es diesmal leichter ist.


Die oberste Regel, welche Du auch in der Therapie gelernt haben dürftest ist Geduld, Geduld und nochmals Geduld mit Dir selbst. Das gilt auch trotz Baclofen. Das Wunder kommt nicht vom Bac, es kommt aus Dir selbts. Bac ist nur ein Katalysator.

In diesem Sinne, guten Rutsch.

Liebe Grüße
Dandelion
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Re: Vorstellung

Beitragvon dphn » 1. Jan 2012, 16:07

Hallo Dandelion und hallto liebes Forum.

Zunächst mal an alle ein gutes und gesundes neues Jahr 2012.

Was du beschreibst, ist die richtige Vorgehensweise gegen die Angst. Ich hatte kurz nach meiner aktuten Phase das Buch "Wenn plötzlich die Angst kommt" gelesen, welches auch auf die Konfrontation setzt. Ich kann ja wieder alles machen, bin auch nicht sonderlich depressiv, solange ich trocken bleibe. Für mich war es die erste Trockenlegung, die noch anhält, aber du weißt sicherlich selbst, das eher die Welt sechseckig wird bevor ein Abhängiger freiwillig zum Entgiften geht. Mir hätte aber auch niemand was sagen können, ich hatte ja trotz satten Entzügen kein Problem.
Aber diese Ängste und Depris waren der Knaller. Noch nie zuvor war ich in solch desolaten Zuständen. Ich habe während meiner LZT auch eine Indikativgruppe für Ängste teilgenommen und die Therapeutin erklärte mir schon die Ursache. Ich habe Veranlagungen für Ängste und Depris, nehme sie aber im Alltag nicht so sehr war. Suchtmittelmissbrauch fördert diese hingegen ans Tageslicht. Ich konnte normale Entzugssymptome und Angstsymptome nicht mehr voneinander trennen.

LG
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