kurze Vorstellung und Gruß

Hier darf man sich vorstellen, was immer ein guter ausgangspunkt ist, um anderen Mitgliedern zu zeigen, inwieweit man von der Alkoholsucht selbst betroffen ist.

Re: kurze Vorstellung und Gruß

Beitragvon WarzoEcht » 20. Jan 2012, 13:41

@razow

Nein, bisher hatte ich keine Angst, akut auf der Strecke zu bleiben.

Ich hatte/habe unter anderem folgende Ängste: Lebererkrankung spez. Leberkrebs (daran Ende 60 Jahre alt verstorbener Bekannter/Nachbar von mir, war stark alkoholisch, rauchte allerdings auch stark), Bauchspeicheldrüsenkrebs bzw. akute BSPD-Entzündung (alkoholischer Kollege, erst ca. 60 Jahre alt, gab sich abends besonders heftig die Kante, und war ein paar Tage an akuter Entzündung dieses Organs verstorben), mir wegen der täglichen Kopfschmerztabletten eine oder beide Nieren zu zerstören, alkoholbedingte Verschlechterung sonstiger, bereits vorhandener körperlicher Probleme, Angst vor Depressionen und evtl. Suizid, Angst vor der Zerstörung einer weiteren Ehe mit unabsehbaren psychischen und physischen Folgen.

Diese Möglichkeiten zu ersticken, einen tödl. Schlag- oder Herzanfall zu erleiden, die habe ich bis jetzt allerdings nicht bedacht bzw. völlig verdrängt.

Du hast mich darauf hingewiesen. Es geht mir unter die Haut.

Ich glaube nun, es ist wirklich wichtig, dem Alkoholismusproblem diesen gewissen, verbreiteten letzten Spaßcharakter zu nehmen. Für manche, für viele mag es ein Spaß sein - für mich ist der Alkohol sicher kein Spaß mehr.

Ich danke Dir für die Bewusstmachung und Warnung. Ich werde auf weitere solcher "Spaß"-Planungen verzichten.

LG warzo
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Re: kurze Vorstellung und Gruß

Beitragvon razow » 20. Jan 2012, 14:43

@warzo

Angst wollte ich Dir nicht machen.

Ein Beitag von Dir im alten Forum, als Du erzähltest, wie Du im Hotelzimmer mit Dir und dem drink bist, Deine Gedanken etc., die haben mich damals sehr berührt. Es war, als würdest Du über mich erzählen, wenn ich auf Geschäftsreise bin. Ich kenne dieses Augenzwinkern gegenüber dem Alkohol nur zu gut.Dieses..."einmal ist keinmal"...Ich bin doch kein waschechter Alkoholiker, ich kann doch noch auf andere nach "unten" schauen...., ein drink tötet mich doch nicht....

Bullshit, mein ganzes Lügengebäude.Einigermassen "gesund/körperlich" komme ich nur wieder da raus, wenn ich den Alkohol weglasse. Das mag sich nun uncool anhören,gestrig, whatever, ist aber so. Und ja, die von Dir genannten Krankheiten und Konsequenzen folgen, wenn ich Alkohol trinke, egal wie sehr ich mich belügen möchte!

Take care, Warzo!

LG
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Re: kurze Vorstellung und Gruß

Beitragvon WarzoEcht » 20. Jan 2012, 20:20

@razow

Ach, einige Angst hast Du mir schon gemacht, aber ist das etwa schlimm?

Ich hatte bisher immer noch den Eindruck: Naja, mein Suff ist schon ein Riesenproblem, aber ab und zu gönne ich mir einen Urlaub von der Abstinenz. Und der Ameisen hat ja noch viel mehr und so viele andere auch ... die berühmte Wodkaflasche zum Frühstück ... da sei ich ja ein Waisenknabe.

Diese Illusion funktionierte vielleicht früher, als ich noch viel jünger war. Heute geht sie definitiv nicht mehr, es sei denn ich wollte die genannten akuten und chronischen Risiken in Kauf nehmen - und damit tatsächlich auch das Risiko, jederzeit - und viel zu früh - die Kurve zu kratzen.

Da liest man doch täglich in der Zeitung "Plötzlich und unerwartet, viel zu früh aus unserer Mitte gerissen ...". Nebendran evtl. noch eine meist kleinere Anzeige vom Kegelclub oder Männergesangverein. Dass und wie oft das einen alkoholischen Hintergrund hat, das liest man in den Anzeigen natürlich explizit nie. Ich habe aber oft beim Lesen das Gefühl, wenn da mal kein Alkohol dahintersteckt?

Und guck Dir mal Kneipenbekanntschaften und -freunde an, wie morbide es da oft zugeht. Ich hatte vor einem halben Jahr so ein Erlebnis: Ein ganz lieber Kerl (Mitte 65), eigentlich finanziell versorgt, aber tageweise Hobbykellner in der schönen Kneipe um die Ecke (weil es dort so nett ist, und Anschluss hat er ja auch - Ehefrau weg), fährt nach München in ein Hotel, schneidet sich die Pulsadern auf, landet in einer Psychiatrie. Heute sieht er zehn Jahre älter aus, also richtig alt. Warum bloß? Alles rätselt, ich rätsele nicht.

Von daher fand ich Deinen Hinweis für mich wirklich sehr wichtig. Das Trinken ist (jedenfallls für mich) heute kein Spaß mehr.

Natürlich freue ich mich sehr, dass Du dich an meine damals heitere Geschichte aus dem US-Hotel erinnerst. Der schwarze Wunderheiler/Missionar im amerikanischen Fernsehen: "Du bist übel. Du bist ein Sünder. Aber ich heile Dich, Du solltest nur mit Hilfe der 0180er-Nummer, die gleich eingeblendet wird, etwas Geld überweisen." Das tat ich zwar nicht, aber der Missionar sagte nach der Einblendung netterweise trotzdem zu mir "Touch the screen." Und ich berührte den TV-Monitor. Ich fühlte mich erlöst, dank des Missionars, des 8-Packs Bud und des Whisky-Sonderangebots vom Frankfurter Duty Free. Sowas fand ich damals lustig, finde es heute noch nicht un-amüsant (ich geb's ja zu).

Aber die Magie ist dahin. Heute freue ich mich - mit einer guten Woche Abstand zum weihnachtlichen und nachweihnachtlichen Horror -, dass Baclofen so gut wirkt.

Alles Gute auch Dir, und: "Touch the screen!" Vom Computer.

LG warzo
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Re: kurze Vorstellung und Gruß

Beitragvon dphn » 20. Jan 2012, 21:23

Hallo zusammen,

das "Liebäugeln" mit dem Alk gehört wohl zum Charakter eines süchtigen Menschen. ich würde auch gern nochmal und Rücksicht auf körperliche/psychische Beeinträchtigen spielen in dem Moment nur eine sehr untergeordnete Rolle. Von daher kann ich den Warzo schon verstehen. Was bei mir halt wirkt, ist der Tatbestand, dass ich nach 20 Jahren Sauferei sozusagen handlungsunfähig war. Ich gehöre zu den Menschen, die einen Drang nach Perfektionismus haben. Einerseits ist dieser Umstand typisch für Suchtkranke, andererseits treibt er dich in den Wahnsinn, weil du auch noch schwer entzügig bzw. betrunken meinst, du musst trotzdem noch zur Arbeit. Diese "Doppelrolle" ist für mich einfach nicht mehr auszuhalten gewesen. Aber ich schrieb bereits an anderer Stelle, dass Urlaub mit Entgiftung inclusive auch schon Gedanken bei mir waren. Ich war ein absoluter psychischer Totalschaden und es hat Monate gedauert, bis ich so einigermaßen wieder normal tickte. Es lag nicht nur am Alk, sondern vielmehr daran, dass ich meinem so geliebten "Doppelleben" nicht mehr gerecht werden konnte.

@conny
eine Frage zu deinen Ausführungen von heute morgen. Du hast sinngemäß geschrieben, dass Bac den SD unterdrückt und du nicht trinken musst. Es unterdrückt aber nicht den Wunsch, seinen Bewusstseinszustand zu verändern. Aber SD und der Wunsch nach der Wirkung des Alks sind aus meiner Sicht nicht voneinander zu trennen.

LG
Dirk [hi_bye]
»Entscheide Dich, ob Du Leben oder Sterben willst. Nur darum geht es.«
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Re: kurze Vorstellung und Gruß

Beitragvon argentina » 21. Jan 2012, 00:43

Hi Warzo,

Ich kannte die Geschichte nicht!! Habe aber sehr gelacht und nun den Screen Touch am Pc ausgeführt [smile] .

Danke für die Geschichte!!

Lg Argentina
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