Hallo ich bin neu hier

Hier darf man sich vorstellen, was immer ein guter ausgangspunkt ist, um anderen Mitgliedern zu zeigen, inwieweit man von der Alkoholsucht selbst betroffen ist.

Hallo ich bin neu hier

Beitragvon Smiley » 9. Feb 2012, 19:16

Hallo, ich bin neu hier und wollte mich gerne einmal vorstellen.
Ich bin 32 Jahre alt und freue mich hier zu sein. Hatte bis vor einem halben Jahr mit Alkohol zu tun. Diese Alkoholproblematik ergab sich aus Ängsten die mich immer mal wieder heimsuchen. Habe dann Jahre lang versucht diese Ängste mit Alkohol auszublenden, bis sich daraus eine Alkoholabhängigkeit ergab. Habe auch schon einige ambulante Entzüge hinter mir. Mein Arzt steht mir da zum Glück zur Seite. Allerdings ergab sich beim letzen mal die Problematik, dass ich nun eine Distraneurinabhängigkeit entwickelt habe. Nehme so 5-6 Kapseln am Tag. Auch das ist natürlich nicht die Lösung des Problems. Habe Schwierigkeiten von dem Distra runterzukommen. Mein Arzt hat mir von Baclofen erzählt (allerdings im Zusammenhang mit Alkohol) und ich habe mich hier mal eingelesen und heute entschieden mich anzumelden. Kann ja nur nicht wieder mit dem Alkohol anfangen um mit einer Baclofen-Therapie zu beginnen. Vielleicht hat ja jemand mit meiner Problematik (Distraneurin) ebenfalls Erfahrungen gemacht, weiß halt nicht ob es eine Möglichkeit ist, mit Hilfe von Baclofen dem Distra zu entfliehen. Denn mit dem Distra geht es mir auch nicht wirklich gut. Und wie oben schon gesagt, bin ich froh, dass ich den Alkohol hinter mir habe und wollte auch nicht wieder damit anfangen.

Gruß Smiley
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon Margolotta » 9. Feb 2012, 19:21

Hallo Smiley,

herzlich Willkommen hier im Forum. [hi_bye]

Leider kann ich Dir beim Thema Bac und Distra nicht weiterhelfen, aber vielleicht findet sich hier ja jemand, der Ahnung von der Problematik hat.

LG Margolotta
Vergiss das Vergangene, wende Dich dem Kommenden zu!
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon dphn » 9. Feb 2012, 20:03

Hallo smiley, [smile]

also Distra ist nichts anders als Alkersatz, deshalb hilft es ja auch so gut beim Entzug. Da Medikamente schwieriger zu entziehen sind, solltest du mal überlegen, ob du das nicht stationär machen willst. Beim Alkentzug bist du in der Regel nach 3 - 4 Tagen aus dem Gröbsten raus (rein körperlich gesehen). Psychoaktive Medikamente, wozu auch Distraneurin gehört setzen sich zudem im Fettgewebe ab. Am übelsten ist das bei Tavor (Benzo). Die Entzugserscheinungen gestalten sich anders. Es kann durchaus mal sein, dass du einen Tag richtig gut drauf bist und den nächsten Tag wieder total entzügig bist. Die Tavor-Patienten machen bei uns durchaus Entgiftungen von 3 Monaten. Sprich da bitte mit deinem Arzt darüber, wenn du entziehen willst oder ruf in eurer Entzugsklinik an. Alle Einrichtungen beraten dich und helfen dir.

LG
Dirk
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon WarzoEcht » 9. Feb 2012, 20:14

@smiley

Auch von mir ein Herzliches Willkommen.

Ich kenne Distraneurin von einer 10-tägigen Entgiftung in einer Klinik mit Schwerpunkt innere Medizin. Die Entgiftung verlief unproblematisch. Ich wurde ständig beobachtet. Distra wurde ab dem vierten Tag sehr rasch ausgeschlichen. Ich mochte es nicht, aber in der Kürze der Zeit half es mir sehr, vom Alkohol runterzukommen.

Distra hat einen sehr stark atemdepressiven Effekt, Baclofen hat ebenfalls oft einen atemdepressiven Effekt. Beide addieren sich, potenzieren sich nicht. Das alleine kann schon sehr gefährlich werden, kommt dann noch als "Ausrutscher" auch nur ein bisschen Alkohol hinzu (kann ambulant ja schnell passieren), besteht akute und große Lebensgefahr. BAC eignet sich nicht zum Entzug von Distra.

Dass Du von Distra abhängig bist (bestimmt hast Du schon einiges über sein Suchtpotential gelesen), ist wirklich eine schlechte Nachricht. Von diesem Zeug kannst Du dich alleine und ambulant wohl echt nicht trennen. Du solltest so bald wie möglich einen Psychiater/Neurologen Deines Vertrauens aufsuchen und wirst wohl einen Krankenhausaufenthalt einplanen müssen. Ich würde die Zeit nutzen, mir ein einigermaßen angenehmes KKH auszusuchen mit guter psychologischer Betreuung. Ich würde es positiv betrachten als einen wichtigen Schritt für mein Leben. Manche Kassen beraten bei der Suche, gute Ärzte sowieso.

Schreib mal eine PN an DoctorBAC. Er ist seit kurzem hier Mitglied und sollte Dir verlässlichere und zusätzliche Informationen geben können.

Wir werden Dich hier immer unterstützen. Aber gut auf Dich aufpassen musst Du selber - gerade bei dieser Problematik.

LG warzo

++++++++++

ACHTUNG! Diese Informationen sind völlig unverbindlich und stellen weder eine Beratung noch eine Empfehlung dar. Die oben aufgeschriebenen Infos habe ich mir aus Interesse aus allen möglichen Quellen (Internet, Ärzte, med. Bücher) zusammengelesen. Ich bin kein Arzt, sondern medizinischer Laie.
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon Smiley » 9. Feb 2012, 20:17

Hallo Margolotta, hallo Dirk.

Danke für deine Antwort. Ja, dass es mit der Distraabhängigkeit nicht ganz einfach ist, ist mir schon klar.
War wegen Alk auch schon mal zum stationären Entzug im KH und in privaten Kliniken, was ich immer vorzeitig abgebrochen habe. Habe es danach aber mit Hilfe meines Arztes immer ambulant versucht. Ging auch immer eine Zeit lang gut. Bis es wieder zu bestimmten Auslösern kam (Fehlgeburt bei meiner Freundin z.B.). Nur das letzte mal, vor einem halben Jahr bin ich leider auf Distra hängen geblieben [sad] . Mein Arzt und ich suchen auch schon eine Weile nach einer Alternative. Er hatte mir nur von Baclofen erzählt. Allerdings ist ja nun mein Problem nicht mehr der Alk sondern das Distra. Wir suchen halt etwas, mit dem es möglich ist ambulant von den Tabletten runter zu kommen. Tue mich mit stationären Sachen sehr schwer, das habe ich im Punkte Alkohol schon probiert und doch wieder abgebrochen.

Gruß Smiley
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon dphn » 9. Feb 2012, 20:32

ja, Smilie. Ich tue mich mit stationären Sachen auch schwer und dennoch wäre ich ohne stationäre Entgiftung nie vom Alk weggekommen. Ich stehe auch nicht so auf das Therapeutentum und dennoch haben sie mir geholfen. Ich kann zwar auch nicht alles umsetzen, was ich aber immer wieder mache, ist Selbstreflexion und ich kenne mich und meine Sucht. Ich kann beurteilen, in welchen Situationen sie gnadenlos zuschlägt und allein dafür bin ich dankbar. Früher hab ich einfach gesoffen und nix gedacht.
Versuche es nochmal. Distraabhängigkeit ist wie bei Benzos wirklich kein Spaß. Also lass dir helfen.

LG
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon Smiley » 9. Feb 2012, 21:30

Hallo warzo,

na das sind ja mal aussichten [sad] . Da wünschte ich fast ich würde Tablette wieder gegen Flasche tauschen, dann könnte ich zumindest den Anlauf mit dem Baclofen starten. Aber ich habe mal eine Frage. Distra ist ein Ersatz zu Alk, wenn ich richtig verstanden haben. Distra kann in Verbindung mit Alkohol zu Atemdepression führen, so hat man mir gesagt. Und Distra in Verbindung mit Baclofen anscheinend auch, so meine Info. Müsste das dann aber nicht auch der Fall bei Baclofen und Alkohol sein. Wundere mich nur, weil ich bei vielen gelesen habe, dass sie trotz Baclofen noch, oder zumindest ab und zu trinken. Nun bin ich ganz durcheinander [wacko] .

Gruß Smiley
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon argentina » 9. Feb 2012, 21:42

Hallo Smiley,

Von mir auch ein herzliches willkommen im Forum. Ich kann dir leider keine Antwort auf die Atemdepression geben, aber das tut sicher noch jemand.

Hoffe du findest viel Hilfe bei uns!

Lg Argentina
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon WarzoEcht » 9. Feb 2012, 22:41

@Smiley

Als medizinischer Laie kommt es mir auch manchmal so vor, als sei eine medikamentöse Alkoholtherapie/Schadensbegrenzung mit Hilfe von Baclofen eine relativ einfache Sache im Vergleich zu manch anderen Substanzabhängigkeiten, speziell im Vergleich zu bestimmten Medikamentenabhängigkeiten. Bei Benzos, sogar bei Tavor wäre noch eine ambulante Alternative denkbar, die das Ashton Handbuch aufzeigt:

http://www.benzo.org.uk/german/index.htm.

Die darin enthaltenen sehr spezifischen Hinweise, Handlungsvorschläge und Tabellen beruhen im wesentlichen auf dem freien Willen des Abhängigen und der Substitution diverser Substanzen durch Diazepam - und dessen langsames, konsequentes Ausschleichen bis auf null. Das kann zwar Monate dauern, aber es hilft bei ausreichender Motivation mit größter Sicherheit. Es nervt überhaupt nicht, weil der Einzelne das Tempo selbst bestimmt. Man kann zum Beispiel mal nicht wöchentlich einen winzigen Abdosierungsschritt machen, sondern zwei- oder gar dreiwöchentlich. Dann dauert's halt etwas länger. Ich habe das selbst vor Jahren mal durchgezogen von 20mg/d, und es ging wunderbar. Schwierig war das letzte Milligramm, aber auch das war plötzlich weg. Das Verfahren ersetzt den Krankenhausaufenthalt.

Distraneurin ist leider in diesem Handbuch nicht enthalten, was bedeutet: Es gibt zumindest in diesem Kontext kein ambulantes Ausschleichschema. Ich habe auch beim Googeln keines gefunden.

Distraneurin ist kein Ersatz für Alkohol, es hilft lediglich über die besonders kritischen ersten drei Tage hinweg. Es beugt den gefürchteten Krampfanfällen vor, und es versetzt in eine Art Dämmerzustand. Wenn dann nach drei Tagen der Alkohol aus dem Körper ist, wird Distra sofort ausgeschlichen. Im günstigen Fall ist die Motivation dann so groß, dass man das KH schon nach zehn Tagen entgiftet verlasssen und solo trocken bleiben, eine SHG aufsuchen oder eine Therapie beginnen kann.

Distraneurin hat ein extrem starkes Suchtpotential. Kein seriöser Arzt wird es jemals ambulant verordnen, gegen kein Problem der Welt. Sollte Dein Arzt es Dir verschrieben haben, dann suche Dir möglichst schnell einen anderen.

Baclofen kann in der Tat zu Atemproblemen führen, bei mir zum Beispiel tut es dies gerade bei 75mg; es ist aber bis jetzt noch nicht so schlimm. Es tritt nicht bei jedem auf. Ich habe eine Veranlagung zu Lungenproblemen, bin übergewichtig (daher schnell atemlos) und bin generell sehr empfindlich.

Baclofen kombiniert mit Distra und evtl. noch mit Alk halte ich für jeden für hochgradig gefährlich.

Wenn wir Dir bis jetzt in Sachen Distra nur den Weg zu einem guten Facharzt und evtl. zu einer Fachklinik aufzeigen konnten, dann ist das ein Versuch, Dir zu helfen, was Dir immer zur Verfügung stehen wird, so lange es dieses Forum gibt. Hoffentlich bald auch bei weniger komplizierten Problemlagen. Pass' gut auf Dich auf.

LG warzo

Nochmals: Ich bin Laie. Dies ist keine medizinische Beratung, sondern eine höchst subjektive Meinungsäußerung nach bestem Wissen und Gewissen.
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Re: Hallo ich bin neu hier

Beitragvon WarzoEcht » 10. Feb 2012, 08:06

@Smiley

Mit ist gerade eine Idee gekommen. Drucke doch das Handbuch einfach mal aus, erkläre die wichtigsten Grundzüge Deinem Facharzt und schenke ihm den Ausdruck. Dann kann er als Facharzt vielleicht entscheiden, ob das evtl. auch bei Distra funktionieren könnte.

Solltest Du im Südwesten plus/minus wohnen, könnte ich Dir per PN einen Psychiater/Neurologen empfehlen, der sich gerade mit dem Zusammenspiel diverser Psychopharmaka inklusive Baclofen hervorragend auskennt. Der wäre auf jeden Fall bei der Problematik eine Tagesreise wert. Der könnte die richtige und vor allem ärztlich verbindliche Antwort auf alle Fragen geben. Er ist erfrischend unorthodox, ich war vor Weihnachten eine halbe Stunde bei ihm zwecks Ausstiegsberatung aus einer sektenartigen Internetplattform - hervorragend!

LG warzo

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