Baclofen Tagebuch von LioBoy

Fuer eigene erfahrungs Berichte zu Baclofen und Alkohol

Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon fetsecht » 20. Jun 2011, 05:30

Zur Erklärung: Das craving ist nicht in dem Masse dass ich unbedingt etwas saufen muss/sollte, aber irgendwie habe ich das Gefühl von etwas ausgeschlossen zu werden. Ein grosser Teil meiner Freunde haben nicht ein Alkoholproblem wie ich, aber es wird halt bei besonderen Anlässen trotzdem gerne mal etwas getrunken. Im Moment habe ich relativ viele Einladungen und Anlässe. Jedes Mal frage ich mich davor, ob ich das durchstehe? Viele Einladungen sage ich dann auch einfach ab oder nehm das Telefon nicht ab. Ja und dann sitzt man halt alleine Zuhause und grübelt so vor sich her. Nicht das es mir langweilig wäre, aber ich will mich auch nicht so abschotten und mal wieder neue Leute insbesondere auch ne neue Frau kennenlernen (bin jetzt seit 3 Jahren single).


also, verstehe ich das richtig?
du fuehlst dich ausgeschlossen, weil du nichts trinks und halt nicht so "locker" drauf bist wie die anderen?
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon LioBoy » 20. Jun 2011, 17:31

Tag 54-55,
37 mg pro Tag (3 Dosen), 0 Alk

@fets
Es ist nicht so, dass ich von meinen Freunden ausgeschlossen werde. Im Gegenteil, die welche Bescheid wissen finden es gut und unterstützen es auch, aber irgendwie fehlt halt doch etwas?!
Aber ich denke, dass es da vor allem noch Zeit braucht, sehr viel Zeit! Es wäre ja auch naiv zu denken, dass man die letzten 15 Jahre nach ein paar Wochen/Monaten so einfach wegwischen kann. Soviele Abläufe und "Rituale" sind im Suchtgedächtnis verankert. Aber nach wie vor bin ich im Grossen und Ganzen guter Dinge und werde meinen abstinenten Weg weitergehen. Mal sehen, was die Blutwerte Ende Woche so sagen?
Wie ich in Deiner Statistik gesehen habe, sind wir beide ziemlich gleich lang abstinent. Seit Ende April (bei mir wars der Tag nach Ostern). Bei Dir läuft es ja auch ganz gut oder?
Bis bald
LioBoy
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon sensor66 » 20. Jun 2011, 20:24

Hallo,

habe Deine Berichte mit interesse gelesen. Habe auch seit Jahren mit dem Teufel Alkahol zu kämpfen. Habe es auch mehrmals versucht wegzukommen. Aber im Stress und Ärger greift man am ende doch wieder zur Flasche. Habs jetzt satt und möchte gern ohne den Zeug mein Leben genießen. Habe mir viel geschaffen, aber auch mit den Alkohol sehr viel kaputt gemacht. Ich möchte gern es mit den Baclofen probieren und wollte wissen, wo ich die Tabletten bekomme?

Gruß
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon fetsecht » 22. Jun 2011, 07:16

LioBoy hat geschrieben:@fets
Es ist nicht so, dass ich von meinen Freunden ausgeschlossen werde. Im Gegenteil, die welche Bescheid wissen finden es gut und unterstützen es auch, aber irgendwie fehlt halt doch etwas?!
Aber ich denke, dass es da vor allem noch Zeit braucht, sehr viel Zeit! Es wäre ja auch naiv zu denken, dass man die letzten 15 Jahre nach ein paar Wochen/Monaten so einfach wegwischen kann. Soviele Abläufe und "Rituale" sind im Suchtgedächtnis verankert. Aber nach wie vor bin ich im Grossen und Ganzen guter Dinge und werde meinen abstinenten Weg weitergehen. Mal sehen, was die Blutwerte Ende Woche so sagen?
Wie ich in Deiner Statistik gesehen habe, sind wir beide ziemlich gleich lang abstinent. Seit Ende April (bei mir wars der Tag nach Ostern). Bei Dir läuft es ja auch ganz gut oder?
Bis bald
LioBoy


hi LioBoy,
ich dachte nicht daran, das du ausgeschlossen wirst. mehr daran, das du dich dort nicht mehr wohlfuehlst.
Alkohol "befreit" bekannter weise die zungen und wenn man selbst nuechtern daneben steht, fuehlt man sich schon ab und an fehl am platz. darum vielleicht dein gedanke "es fehlt halt doch was!?".

das gefuehl hatte ich damals wie ich 7 jahre sauber war und das gefuehl habe ich auch heute.
es kommt natuerlich immer darauf an, welche leute dort sind, findet man interressante menschen, so findet man auch so seinen spass. uebrigends, viel mir auf, das die leute eigendlich gar nicht so viel trinken, ich war immer derjenige, der sich an der falsche festhielt.

was ich an bestimmten gesellschaftlichen abenden halt tue und ich weiss das ist nicht jedermans sache, das ich mir dann fuer sollche abende einen joint drehe.
dann kann ich genauso quasseln... man beamt sich nicht weg, sondern man passt sich an.

ich kann das nicht weiter empfehlen, ich kann nur sagen, wie ich es machte und mache, wenn diese gesellschaftlichen dinge anstehen.

bei mir laeuft es gut, ja!
aber dazu lese einfach meinen erfahrungsbericht :wink:

ich wuensche dir weiterhin erfolg!
und das du einen weg findest mit baclofen umzugehen und teile uns weiterhin deinen weg mit [good]

viele gruesse
fets
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon LioBoy » 17. Jul 2011, 12:09

Hallo allerseits und ein herzliches Willkommen an alle Neulinge hier im Forum

Nach längerer Zeit möchte ich mich mal wieder melden.
Im letzten Monat ist mir irgendwie einfach nicht so nach schreiben gewesen, allerdings habe ich immer wieder ins Forum rein geschaut und alles mitverfolgt.

Heute ist mein 82. Tag ohne Alk und es geht mir gut
Nun zu meiner Bac.Dosis des letzten Monats.

Versuchsweise habe ich stetig runter dosiert.
Tag 56-63: 37 mg Bac. pro Tag (3 Dosen, 12.5/12.5/12.5)
Tag 64-70: 30 mg Bac. pro Tag (3 Dosen, 12.5/12.5/5)
Tag 71-78: 25 mg Bac. pro Tag (2 Dosen, 12.5/12.5)
Tag 79-82: 20 mg Bac. pro Tag (2 Dosen, 10/10)

Nachfolgend möchte ich ein paar Erkenntnisse aufführen, welche mir bei meinem Bac.-Versuch bis jetzt aufgefallen sind.
Aber Achtung!
Jeder Mensch reagiert bekanntlich anders auf Baclofen und muss seine eigenen Erfahrungen machen und seine Schlüsse daraus ziehen.

75 mg pro Tag scheint bei mir ein bisschen hoch zu sein (Nebenwirkungen siehe mein Erfahrungsbericht)
37 - 50 mg scheint ideal zu sein, keine Nebenwirkungen bzw. vernachlässigbar, geringes craving
weniger 30 mg, verstärktes craving, allerdings habe ich ich festgestellt, dass für mich der permanente Tagesspiegel nicht so wichtig ist. Wenn ich Baclofen nur vor/bei meinen individuellen craving Situationen einnehme, komme ich auch mit 20 bis 30 mg pro Tag aus.

Im Moment nehme ich Baclofen mehr nach Gefühl, jedoch nie unter 20 mg. Unter der Woche z.B. ist die morgendliche Dosis für mich nicht so wichtig. Dann nehme ich lieber 10 mg kurz vor dem Feierabend und dann gleich nochmals 10 mg am Abend. Am Wochenende nehme ich die erste Dosis, sobald ich es für nötig empfinde. Manchmal schon direkt nach dem Aufstehen oder dann erst später. Je nachdem wie mein Tagesprogramm ist. Wenn ich z.B. Sport oder einen Ausflug mache, benötige ich nicht sofort Baclofen. Bei einem Bummel durch die Innenstadt mit all den verlockenden Pubs, Biergärten etc, gebe ich mir zuvor auf jeden Fall 10 mg Bac.
Ausserdem habe ich immer ne Notfalltablette von 10 mg dabei.

@fets
Zu Deinem letzten Kommentar vom 22. Juni.
Mir ist auch aufgefallen, dass die Leute um mich herum, von denen ich immer dachte, dass sie auch ständig trinken, eigentlich gar nicht soviel trinken.
Klar es ist schon immer oder oft Alk im Spiel, aber wenn ich früher meine 5-6 Halbe gestemmt habe, dann trinken sie z.B. nur 2 kleine Radler. In meinem Wann hat oder hatte ich immer das Gefühl, sobald jemand Alk trinkt, dann trinkt er/sie genau soviel wie ich und ist ja auch nicht besser. Aber so etwas bemerkt man erst, wenn man mal ne Zeit abstinent ist.
Gelegentlich genehmige ich mir ebenfalls einen joint. Allerdings mehr Abends Zuhause zum runterkommen und weniger in gesellschaftlicher Runde. Da macht es mich einfach zu Träge.

Ach ja, Ende Juni habe ich mein Blutbild erstellen lassen und siehe da, ich habe Blutwerte wie ein kleines Baby. Das hat mich natürlich sehr gefreut, nachdem Raubbau an meinem Körper in den letzten Jahren.
GGT: 27.4, das ist doch der Lebermarker oder?
Der Arzt versicherte mir auf jeden Fall, dass mein komplettes Blutbild voll in Ordnung ist. [good]

Ansonsten geht es mir psychisch recht gut und ich bin auch sehr aktiv (was auch ein Grund ist, dass ich mich in letzter Zeit nicht gemeldet habe).
Es gibt aber auch Tage, an denen ich völlig lustlos bin, aber das ist ja auch normal im Leben. Nicht jeder Tag kann ein Highlight sein.

Für die nähere Zukunft habe ich noch einen Versuch geplant.
Nach 100 Tagen ohne Alk, möchte ich einen Versuch starten etwas zu trinken. Allerdings werde ich genaue und harte Statuten aufstellen, dass nichts schief läuft und ich nicht wieder in alte Gewohnheiten zurückfalle. Wie die genau aussehen werden, überlege ich mir noch gründlich. Es soll auch nicht so sein, dass ich nach 100 Tagen einfach einen bechern gehe, sondern zu einer speziellen Situation/Event moderat etwas trinken.
Sollte sich dann rausstellen, dass die Gier wieder kommt, werde ich sofort wieder auf Null gehen und das Bac. hochfahren. Was ich bis jetzt erreicht habe, möchte ich nicht aufs Spiel setzen.

OK, das wars dann mal wieder fürs erste.
Auf jeden Fall wünsche ich allen Neulingen einen guten Start und viel Erfolg und natürlich auch den Alteingesessenen weiterhin viel Erfolg. [hi_bye]

Grüsse LioBoy
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon Pippilotta1705 » 17. Jul 2011, 13:35

Hallo Lioboy,

darf ich fragen warum du nach 100 Tagen wieder Trinken möchtest? 100 Tage finde ich in meiner heutigen Situation als Ziel das ist erreichen möchte, aber wenn ich soweit bin warum dann wieder trinken?

LG Pippilotta
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon LioBoy » 17. Jul 2011, 13:54

Hallo Pippilotta
Natürlich darfst Du das fragen.
Weil ich eigentlich gerne wieder moderat trinken möchte, wie "normale" Leute (Nichtalkis).
Und es interessiert mich, ob das mit Baclofen möglich ist.
Einfach hin und wieder zu besonderen Anlässen in Gesellschaft. Ich muss ehrlich sagen, das fehlt mir schon.
Ich weiss, dass das ein Spiel mit dem Feuer ist. Aber ich werde auf jeden Fall, sobald es aus dem Ruder läuft wieder zur Abstinenz zurückkehren und ich denke, dass ich das mit Baclofen auch gut schaffe. Es muss auch nicht unbedingt nach 100 Tagen sein, vielleicht ist mir auch erst später danach oder ich traue es mich noch gar nicht.
Mal sehen...
Liebe Grüsse
LioBoy
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Re: Baclofen Tagebuch von LioBoy

Beitragvon conrad » 17. Jul 2011, 18:45

Hallo LioBoy,
genau das Gleiche hatte ich auch gedacht, nachdem ich damals kalt entzogen hatte und nach 1 Jahr glaubte, ich könnte mir doch auch mal, wie jeder andere normale Mensch auch, hin und wieder, in einem Restaurant oder bei Freunden z.B. Mal ein Gläschen Wein gönnen. Das ging dann insofern in die Hosen, als dass ich ca. 9 Monate später total am Boden war, ich wog nur noch 61 kg bei 175 cm Körpergröße und bekam wirklich gar nichts mehr auf die Reihe.

Ein kontrolliertes Trinken gibt es nicht. Probiere es nicht aus, es lohnt nicht.

Liebe Grüße
Conrad
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