Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Fuer eigene erfahrungs Berichte zu Baclofen und Alkohol

Re: Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Beitragvon Ginger » 22. Feb 2012, 20:59

INVINUMVANITAS hat geschrieben:Die weitaus größere Hürde ist natürlich die psychische Abhängigkeit, denn Alkoholismus ist nun mal wie jede andere Suchterkrankung eine psychische Krankheit. Das menschliche Gehirn hat schlicht die Funktion zu lernen und das bedeutet eigentlich nichts anderes als Erfahrungen abzuspeichern und bei Bedarf wieder freizugeben. Ich weiss nicht wie lange Du schon trinkst, aber ich wette Du hast Deinem Gehirn oft genug beigebracht, dass Alkohol verbunden ist mit Entspannung, Geselligkeit, Spass, sozialen Kontakten, Fröhlichkeit etc. etc.


Soviel zu Thema "Suchtgedächtnis".
Es scheinen momentan ja wahre Gefechte darum umzugehen, ob es das nun gibt oder nicht.
Lokal zu verorten ist es wohl nicht. Es ist einfach das Dopamin/Serotonisystem/Adrenalinsystem in Dysbalance . Würdest du hier zustimmen?

Oder die HPA-Stressachse, die zu lange zu viel Cortisol produzierte, bis die Amygdala Daueranspannung/Angst signalisiert. Ist doch ne Veränderung der Hirnchemie, egal, welchen Namen man diesem Kind nun geben mag, wenn der Bewältigungsmechanismus nun "Sucht" heißt bei den jeweiligen Individuum, dann ist doch der Begriff "Suchtgedächtnis" legitim?

Dass die Existenz des Suchtgedächtnisses seit Neuestem abgestritten wird, ist mir unerklärlich.
Wie siehst du das?

LG Ginger
Epiktet: Was den Menschen stört und in Schrecken versetzt, sind nicht Handlungen, sondern Meinungen und Vermutungen über Handlungen.
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Re: Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Beitragvon argentina » 23. Feb 2012, 01:38

Hallo Conny und alle,

Conny du schriebst " Ich rede nicht der lebenslangen Dauer-Versenkung in der Meditation das Wort, aber startet mal das Experiment, auch nur einen Tag ohne Außenreize zu sein. Dann ist die Antwort nicht mehr allzu fern."

ich habe hier generell keine Außenreize. Im Radio werden fast keine Nachrichten gebracht und wenn doch dann "überhöre" ich sie schlichtweg weil sie auf spanisch sind. Fernsehen tue ich auch fast nie, seitdem die "Deutsche Welle" aus dem Programm genommen wurde. Die argentinischen Nachrichten interessieren mich nicht, weil sie eh so dargestellt werden wie die Regierung sie sieht. Spielfilme sind in englisch mit spanischen Untertitel, wo ich dann die komplette Konfussion bekomme, weil ich nicht weiß ob ich auf englisch hören oder auf spanisch lesen soll. Meistens verstehe ich aber dennoch worum es geht [smile]

Typisches Beispiel heute war das am Morgen eines der größten Zugunglücke in Buenos Aires passierte http://www.tagesschau.de/ausland/zugung ... en102.html und ich nur mal wieder durch Zufall davon am späten Abend davon erfuhr, weil mein Sohn noch etwas im Supermarkt kaufen ging und in jedem Supermarkt ( und auch Arztpraxis, Restaurant, Bar, Cafe, Einwohnermeldeamt, etc) ein Tv hängt.

Wundern tut mich dieses Zugunglück nicht. Ein Zug aus den 60er Jahren und ohne Wartung....so ist halt Argentinien!!! Ärgern tut es mich dennoch.

obwohl etwas off topic...

Lg Argentina
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Re: Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Beitragvon Margolotta » 23. Feb 2012, 09:23

Hallo zusammen,

vielleicht sollte man bei allem Tatendrang sich mit seinen Süchten auseinander zu setzen immer die Kirche im Dorf lassen.
Ich kann an mir arbeiten durch Therapie, Meditation oder was auch immer und meinen Tag erfüllen durch Sport, malen, achtsame Wahrnehmung meiner Umwelt, zusätzliches Studium u.s.w.. Unterm Strich bleibt aber immer die durch jahrelangen übermäßigen Alkoholkonsum veränderte Hirnsuppe (ich bin kein Mediziner, Chemiker oder sonst etwas, ich drücke das jetzt daher einfach mal so aus) und die kann einem selbst beim Eintreten der ultimativen Erleuchtung meiner Meinung nach immer noch ein Schnippchen schlagen.
Anders lässt es sich für mich nicht erklären, weshalb z.B. ein Abstinenzler "extra dry" mit der Einsicht in Tüten, der jeden Tag seit 20 Jahren in eine Selbsthilfegruppe rennt und ebenso lange nicht getrunken hat, plötzlich ohne ersichtlichen Grund mit einer Pulle Fusel aus dem Supermarkt kommt und diese runterschüttet.

Die Meditation hilft mir persönlich ruhiger im Alltag zu sein und, dass mich negative Erinnerung weniger belasten und triggern. Damit hätte ich nie gerechnet, da ich ohne jede Erwartung an die Sache herangegangen bin ("Testen wir mal den Esoterikkram" :wink: ) und ich warte auch nicht, dass ich dadurch die ewige Trockenheit oder die Fahigkeit des MT erwerbe. Ich lasse jetzt einfach alles auf mich zukommen. Wir werden sehen!

@Ginger: Allan Carr kenne ich wegen dem Buch "Endlich Nichtraucher", das ich mal einer Freundin geschenkt habe. Sie war von dem Buch aber nicht sonderlich angetan. Mit dem Rauchen hat sie dann irgendwann aber auch ohne literarische Hilfe aufgehört. Lesen würde ich das Buch über Alk dennoch mal interessenshalber.

@argentina: Ich denke, Conny meint mit keine Außenreize noch etwas mehr. Es geht darum einen Tag sich nur mit sich und dem aktuellen Augenblick zu beschäftigen. In den Büchern, die ich zum Thema Meditation und Achtsamkeit habe, wird die Gestaltung eines solchen Tages beispielhaft beschrieben. Ich habe es bisher noch nie ausprobiert, aber ich stehe auch noch am Anfang und würde mir auch nicht zutrauen so einen ablenkungsfreien Tag durchzustehen.

LG Margolotta
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Re: Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Beitragvon GoldenTulip » 23. Feb 2012, 11:47

Hallo Margolotta,

da hast Du Recht mit dem Hier und Jetzt. Zen-Techniken wie jede Tätigkeit achtsam durchzuführen (wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, wenn ich spüle, spüle ich etc.) sind schon einfacher.
Ich habe es bisher noch nie ausprobiert, aber ich stehe auch noch am Anfang und würde mir auch nicht zutrauen so einen ablenkungsfreien Tag durchzustehen.


Ich hatte das ausprobiert und bin die Wände hochgegangen, nein, eher ausgewichen, nach drei Stunden Powernixtun hab mich hingelegt. Und schwupp war danach der Fernseher und der Rechner wieder an. Ich werde mal "Naturtage" einlegen, wandern, die weniger "Hardcore-Variante", sprich Kontemplation. Muss ja nicht immer alles mit der Brechstange gemacht werden.

Mir ist in dem Zusammenhang deutlich geworden, wie tief die Entfremdung von sich selbst ist. An einem der Knotenpunkte treffen sich wohl auch Alkohol und Bulimie. Dir hat ja nicht die missglückte Diät das Genick gebrochen, sondern die Vorstellung davon, was sich durch eine gelungene Diät in Deinem Leben ändern sollte?
Wenn ich erst...(schöner, schlanker, fitter) bin, dann werde ich glücklicher sein. Wenns nicht klappt: wieder versagt.

Mind-Fuck. Verlorene Lebenszeit. Da wünsche ich mir Stück für Stück wieder rauszukommen. Frustrierend ist, dass der Prozess so ewig dauert, Fortschritte manchmal nicht zu erkennen sind, (Ist diese Depression jetzt gesunde Trauerarbeit oder kriegst Du nur den Hintern nicht hoch?), ich weiß einfach nicht, ob ich mir "Reiß Dich endlich zusammen" zurufen soll, oder dem unglücklichen kleinen Mädchen in mir eine heiße Schokolade ans Bett bringen soll.
Sowohl als auch, schätze ich.

Liebe Grüße,
Conny
---Wenn du nichts tun kannst, tu was du tun kannst---

Wir haben kein anderes Mittel, die Welt zu ändern, als durch unser Bewusstsein.
Lama Anagarika Govinda - Buddhistischer Gelehrter

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Re: Ich habe Zweifel an Baclofen und an mich :-))

Beitragvon Margolotta » 23. Feb 2012, 12:17

Hi Conny,

Ich hatte das ausprobiert und bin die Wände hochgegangen, nein, eher ausgewichen, nach drei Stunden Powernixtun hab mich hingelegt.


Drei Stunden sind aber schon einmal eine Hausnummer. Ich bin froh, dass ich mich 15-20 Min. am Stück auf mein Meditationskissen pflastern kann pro Session. Sich langsam herantasten finde ich völlig in Ordnung.

Mir ist in dem Zusammenhang deutlich geworden, wie tief die Entfremdung von sich selbst ist. An einem der Knotenpunkte treffen sich wohl auch Alkohol und Bulimie. Dir hat ja nicht die missglückte Diät das Genick gebrochen, sondern die Vorstellung davon, was sich durch eine gelungene Diät in Deinem Leben ändern sollte?
Wenn ich erst...(schöner, schlanker, fitter) bin, dann werde ich glücklicher sein. Wenns nicht klappt: wieder versagt.


Da kann ich nur schreiben: Gut zusammengefasst!
Ich habe mich auch in der Tat als Versagerin gefühlt und dann musste der Erfolg mit der Brechstange herbei geführt werden. Nicht, dass es den gegeben hätte! Die Fixierung auf die Nahrung raubt einem die Lebensenergie, wie es der übermäßige Alk tut. Essen sollte eine natürlicher, genussvoller Vorgang sein. Für mich ist er das seit Jahren schon nicht mehr wirklich. Na ja, aber jetzt nicht ins OT. :wink:

LG Margolotta
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