bin wieder da und alles steht auf anfang

Fuer eigene erfahrungs Berichte zu Baclofen und Alkohol

Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon GoldenTulip » 13. Jan 2012, 20:26

Hallo tutti und @all,

tja, dieses Phänomen, nach 1-2 Bier oder Wein aufzuhören - ich nenne es mal Entspannungsbier, denn es zielt wohl auch schon auf Wirkung ab, aber eben nicht darauf ....
...auf was?

Meiner Erfahrung nach zielt diese Art, was zu trinken nicht darauf ab, aus dem einen, realen Hier und Jetzt auszusteigen, Unangenehmes zu verdrängen, sich aus sich selbst "rauszubeamen". Mehr wie ein warmes Bad, etwas abschalten vom Alltagsstress.
Das gelingt mir dann, wenn ich in eher neutraler, ausgeglichener Stimmung bin, weder euphorisch noch frustriert. Und gegessen habe - wie gesagt, Hunger ist für mich Trigger Nr. 1 (aus schlechter Gewohnheit).

Das Anfangen und nicht mehr aufhören zu wollen/ zu können, das verfolgt doch eine andere Absicht. Es bestehen Gewohnheiten und - Leidensdruck, mal ganz pauschal gesagt. Man ist hier und fühlt sich soundso, möchte aber woanders sein und sich anders fühlen. Das ist dann nur 3-8 Bier entfernt. Kurzurlaub von sich selbst.

Ob das dann das "Suchtgedächtnis" genannt wird, ist zweitrangig. (Ich seh hier mal vom körperlichen Entzug bewusst ab und spreche "nur" über den psychischen und seelischen Bereich.)

Wichtiger ist, dass bei Abhängigkeit keine Alternativen mehr greifbar scheinen. Depressivität, Bequemlichkeit, Energiemangel, Perspektivlosigkeit und eine Scheixx-Egal-Haltung halten einen im Hamsterrad gefangen. Wenn dann noch persönlicher Stress und/oder Finanzsorgen dazukommen: gute Nacht, Marie.

Ich will damit sagen, um die "Aufräumarbeiten" kommt man so oder so nicht drumrum. Keine Therapie zu machen, wenn tiefer liegende Störungen da sind, wäre blöd. Kein Bac zu nehmen, um überhaupt mal wieder zu Atem zu kommen wäre dämlich. Sich nicht um sein körperliches Wohbefinden zu kümmern, wäre (an sich selbst) unterlassene Hilfeleistung. Sich mit Beziehungen rumzuplagen, die auch keinem "Nichtalki" gut tun würden entschärft sicher nicht die Lage.

Darum glaube ich, dass es notwendig ist, sich innen und außen parallel erstmal die besten Bedingungen zu schaffen, um überhaupt eine Chance zu haben, mit dem Alkohol fertigzuwerden. Allein dadurch, dass man sich um sich kümmert, kommt man schon aus der Opferhaltung raus.

Wenn man das Augenmerk bei "Alkoholabhängigkeit" mal auf "Abhängigkeit" richtet, ist der Alkohol vielleicht noch ein wichtiger Aspekt, aber kein Dämon mehr.

Liebe Grüße, Conny
---Wenn du nichts tun kannst, tu was du tun kannst---

Wir haben kein anderes Mittel, die Welt zu ändern, als durch unser Bewusstsein.
Lama Anagarika Govinda - Buddhistischer Gelehrter
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon dphn » 14. Jan 2012, 00:50

Liebe tutti,

ja, du musst dir die unangenehmen Dinge des Alkoholkonsums immer wieder mal bewusst machen. Ich schreibe das alles nicht zum Spaß. Die Sucht ist trügerisch und gaugelt dir nur die "schönen" Seiten vor, die Flucht in die Scheinwelt in der du dich besser fühlst. Wenn du dir aber bewusst machen kannst, was der Alkohol schon für Schaden angerichtet hat, fällt es dir vielleicht leichter zu verzichten. Bei mir ist es nun etwas einfacher. Ich lebe längere Zeit trocken und meine Birne tickt wieder richtig. Um das so in aller Deutlichkeit zu sehen, habe ich bestimmt ein Jahr gebraucht und es wird auch jetzt immer noch was deutlicher. Ich war bereits tief gesunken und ohne meinen noch guten sozialen Status hätte ich womöglich nichts getan. Vielleicht hätte ich versucht wegen meinen Eltern mal aufzuhören, aber alleine zuhause den ganzen Tag, wäre ich immer wieder rückfällig geworden. Das könnte ich auch heute nicht lange aushalten. Ich brauche meinen geregelten Tagesablauf.

LG
Dirk
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon tutti » 14. Jan 2012, 13:42

hallo ihr lieben,


heute beginnt tag 6 ohne alk und ich muss sagen, ausser einmal ein wenig lust auf alk, habe ich die 6 tage ohne große anstrengung überstanden.

goldentulip, du hast sicher recht, wenn das umfeld stimmt, sprich kein stress, nöte und sorgen usw ist das schon die halbe miete, wie man so schön sagt, um kein anlass zu haben, alk zu trinken. gerade in der anfangszeit ist das sooo wichtig, das alles im gleichgewicht ist.

allerdings beiweisst sich ja erst in stresssituationen, wie stark man wirklich ist, gerade dann KEINEN alk zu trinken.

ich habe zwar kein stress, aber bei uns beginnt so langsam die hochphase der fasnacht. nächste woche ist ein riesen rummel in unserer stadt. da muss ich mich dann beiweisen. da ich mich aber noch nicht so stark fühle, werde ich wohl seit jahren dieses jahr auf fasnacht verzichten. muss mir nur noch was einfallen lassen, was ich meinen freunden und bekannten sage, das ich nicht dabei bin.
den gerade fasnacht ist ein absolutes event wo alkohl in massen getrunken wird. aus meiner sicht die zeit, wo der meiste alk fliesst.

was ich mir so ganz schwierig vorstelle, das der verzicht auf alk ein lebenslanger kampf sein wird.
es scheint so unwirklich, aber viele hier wissen, das es leider so sein wird.
kennt jemand, der alki war und nach langer zeit der abztinenz wieder moderat trinken konnte, ohne rückfällig zu werden???

melde mich später nochmal
bis dahin lg tutti
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon argentina » 14. Jan 2012, 14:34

Hallo Tutti,

Mir macht der Gedanke mein ganzes Leben lang nun gegen den Alk ankämpfen zu müssen auch Angst oder es löst zumindestens ein großes Unbehagen bei mir aus. Das ich für den Rest meines Lebens nicht mehr trinken soll finde ich nicht allzu schlimm, aber wenn ich mir vorstelle nun jeden abend Trinkwunsch zu haben...na hallo! Meine Hoffnung ist immer noch das man sich irgendwann daran gewöhnt nicht mehr zu trinken, aber nach all den Berichten die ich hier auch von "Abstinenzlern" gelesen habe, scheint das nicht wirklich der Fall zu sein und hier waren / sind ja auch ein paar dabei die Jahrelang trocken waren ( ohne Bac) und die dann von heute auf morgen wieder angefangen haben zu trinken und nach kurzer Zeit wieder in ihrem Trinkmuster steckten. Insofern sehe ich auch keine Chance auf moderates trinken.

Im Moment versuche ich halt auch wie du durch zu halten so lange es geht, was aber in einer Krisensituation kommt weiß ich nicht, im Moment würde ich glaube ich wieder umkippen. Nur der Gedanke das heute vor einer Woche mein Freund ausgezogen ist und ich mich heute vor einer Woche abgeschossen habe, macht mich total unruhig! Da sieht man das selbst negative Erinnerungen bei einem bzw. bei mir, einen Trinkwunsch auslösen können....

Auf Fasnacht würde ich an deiner Stelle auch verzichten,das würde ich auch nicht aushalten! Ich glaube das ist bei dir auch noch das schlimmste Übel, nämlich das du dein "Sozialleben" umstellen musst.

Wünsche dir auf jeden Fall einen erfolgreichen 6. Tag ( heute ist auch mein 6., aber hier ist erst Vormittags).

Lg, Argentina
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon dphn » 14. Jan 2012, 16:18

Hallo ihr Lieben,

den Gedanke, nie wieder etwas zu trinken, sollten wir weit weg von uns schieben. Es bringt nur Unbehagen, daran zu denken. ich denke von daher nur in kleinen Schritten. Ich bin mir übrigens sicher, dass ich bestimmt mal wieder "probiere". Ich weiß aber nicht, wann das sein wird und von daher stört es mich jetzt nicht sonderlich.

LG
Dirk [hi_bye]
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon tutti » 15. Jan 2012, 09:49

hallo dirk, argentina, margolotta und all die anderen,

beginne nun tag 7 ohne alk, mein erstes wochenende zuzusagen. gestern war soweit alles ok, habe gut geschlafen und ohne dicken kopf aufwachen ist einfach schön. man fühlt sich richtig fit.

habe gestern abend noch mit meiner tochter monopoly gespielt, das habe ich schon lange nicht mehr, weil ich meistens schon halb besudelt nur meine ruhe haben wollte, um weiter trinken zu können, oh gott, dein das will ich definitiv nicht mehr.

dirk, du hast sicher recht, dass man den gedanken "nie wieder was trinken zu dürfen" zumal jetzt erst mal weit weg schieben sollte, das belastet nur und kann in negative gedanken umschlagen, die kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.

bin zur zeit am analysieren, wie ich zum trinken gekommen bin und warum es soweit kommen musste.
es ist wohl wie bei vielen hier, beziehungsprobleme stehen da ganz vorne in der reihe von vielen gründen.
viele dinge habe sich erst durch das trinken ergeben und es nicht besser gemacht. aber die hilflosigkeit, die man solchen beziehungsproblemen gegenüber steht, die habe mich dazu veranlasst, aus dem gesellschaftstrinker einen trinker zu machen, der damit seine probleme weggesoffen hat, anstatt sie anzugehen. jetzt im nachhinein ist einem das klar, aber es haben sie sowiel baustellen gebildet, die kann man auf einmal gar nicht abarbeiten. das braucht zeit. positives denken und vor allem mir was gutes tun, das ist jetzt meine strategie. ich muss es nur durchhalten und das wird wohl das schwierigste sein.

schönen sonntag
lg tutti
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon chrisi1966 » 15. Jan 2012, 10:04

Guten Morgen tutti,


super, Glückwunsch wie du das schaffst,
ohne Bac könnte ich es im moment nicht. Habe aber dadurch nun auch heute den 20. Tag ohne Alk erreicht und das Gefühl mit einem klaren, ausgeschlafenen ICH aufzuwachen ist genial.

Ich hatte gerade am Wochenende einen bösen Kopf so daß ich keine Lust hatte mit den Kids Lust was zu unternehmen und mußte mich dazu zwingen .
Ich hab auch lange meinen Ehesch... vor mir weggetrunken und bin gerade am abarbeiten des Berges der sich aufgetürmt hat [unknown]

Aber ich komm da irgenwann durch , ob drüber oder außenrum oder mittendurch /(ennst du den Kindervers?) :wink:

liebe Grüße und einen schönen Sonntag

Chrisi
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon dphn » 15. Jan 2012, 11:09

Hi Chrisi,

super. das liest sich ja richtig motiviert. Das wünsche ich uns allen hier.

Mir gehts gut heute. Ist ein schöner Tag und endlich mal wieder etwas Sonne im Süden Deutschlands. War gestern mal wieder saunieren und es hat mir richtig gut getan. Mein Kopf schwitzt da auch die Saufgedanken raus und wird frei, ich bin ganz bei mir und kann die guten Gefühle genießen. Sind besser als die vom Alk, insbesondere der gute Schlaf danach. Ja, das sind ganz elementare Dinge, die bei mir alle nicht mehr funktioniert haben.

Allen einen schönen Sonntag.

LG
Dirk [hi_bye]
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon tutti » 16. Jan 2012, 14:45

hallo ihr lieben,


huchu, mein erstes wochenende seit laaaaangem, wo ich kein alk zu mir genommen habe.
obwohl ich gestern beziehungstechnische eine kleine krise hatte, bin ich stark geblieben, darauf bin ich stolz. habe kurz gedacht, jetzt ziehst du dir ein bier rein, ist doch alles sch............., aber nein, sagte ich mir, der sonntag ist bald rum und ich kann unter der woche wieder meinen weg gehen.

meine neue arbeit macht mir richtig spass und jeden morgen freue ich mich, ins büro zu fahren, das motiviert und lenkt mich auch ab, ständig an alk zu denken. solange ich am arbeiten bin, denke ich gar nicht an alk. ok, beim aufstehen ist sofort der gedanke da, aber nicht, weil ich was trinken will, sondern toll, gestern wieder kein alk und heute wird es genauso.
ich muss versuchen, negative gedanken irgendwie in positive gedanken zu lenken. mal sehen, ob ich das trainieren kann.

so ihr lieben, melde mich später evtl nochmal

lg tutti
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Re: bin wieder da und alles steht auf anfang

Beitragvon argentina » 16. Jan 2012, 19:45

Hi Tutti,

Klasse wie du das machst!! Bewunder dich wirklich sehr das du es auch ohne Bac schaffst!!

Krisen sind immer blöd, Beziehungsprobleme erst recht ( kann ich ein Lied von singen!). Du musst dir immer sagen das es KEINEN Grund gibt um zu trinken ( ich habe gut reden...) aber Ratschläge geben ist immer leichter als sie in die Tat umzusetzen, dennoch ist es mein Rat!! Nicht immer alles schwarz zu sehen und negative Gedanken ins positive umzugestalten halte ich auch für ganz wichtig, versuche es selbst auch immer und wenn es dann klappt sieht die Welt oder das Problem gar nicht mehr so gespenstisch und schwarz aus. Ich denke das ist alles ein langer Lehrprozeß, denn man nicht von heute auf morgen in die Tat umsetzen kann. Ich finde aber alleine die Tatsache das wir, du hast glaube ich auch ungefähr zeitgleich mit mir angefangen, immer noch am "Ball" sind und uns von all den "Rückschlägen" nicht haben unterkriegen lassen ganz wichtig.

Ich persönlich weiß nicht ob ich jeh ganz trocken werde, habe noch so meine Zweifel, aber ich sehe jetzt schon eine große Veränderung in mir und das ist das wichtigste.

Muss los, wollte noch mehr schreiben, aber mein Papa ruft gerade an ( per chat [smile] )...bis später Argentina
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