Auch neu hier und einige Fragen

Fuer eigene erfahrungs Berichte zu Baclofen und Alkohol

Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon dphn » 1. Feb 2012, 20:40

Liebe rockine,

diese Anfälle würde ich schon in die Ecke Panikattacken einordnen. Ich hatte das auch und dachte, ich kann nie wieder zur Arbeit, geschweige denn ein normales Leben führen und ich muss jetzt sofort raus aus der Wohnung. Ich war wie gelähmt, konnte nicht mehr raus gehen und mir keinen Alk mehr kaufen. Ich rief auch 112 an, bestellte nen Doc in meine Wohnung. Ich glaubte tatsächlich ich überleb die Nacht nicht. Waren übrigens alles Entzugserscheinungen. Diese Angstgeschcihte bin ich aber nicht so schnell losgeworden. Ich hatte das ständig und musste wirklich wieder lernen einkaufen zu gehen. So mit der Zeit gab sich das wieder und die Intensität wurde schwächer.

Steiger dich in sowas bloß nicht rein. Im akuten Moment kann es helfen eine Hand ganz fest gegen den Bauch zu drücken und dich dabei auf deine Atmung konzentrieren.

LG
Dirk
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon rockine1 » 1. Feb 2012, 21:22

Hallo Argentina u. GT,

so extrem, wie ich die Attacke beschrieben habe, war es (Gott sei Dank) nur 1 x. Aber seitdem kommt es eben immer wieder mal hoch, vor allem wenn ich an diese Attacke denke (da sie so beängstigend war) oder wenn ich mich eben aufrege.

Ich bin auch (ähnlich wie Du Argentina) sehr impulsiv und launisch. Im „Normalfall“ reg ich mich halt tierisch über was auf und wenn ich mich dann sozusagen entladen habe, dann juckts mich nicht mehr. Aber jetzt spüre ich eben dieses „komische Gefühl“ in mir hochkommen, dann erschrecke ich richtig, und versuch mich dann auch gleich wieder zu beruhigen. Das geht dann auch meist, wenn ich mir bewusst mache, dass ja gar nichts Schlimmes ist!

Golden Tulip, was Du schreibst, trifft es genau. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, sind es ja genau die Ängste, die ich MIT Alkohol hatte (schlimme Fehler bei der Arbeit zu machen, mich nicht mehr richtig ums Kind kümmern können, etc.), die da jetzt hochkommen.

Jedenfalls danke für die Tipps.

Liebe Grüße

Rockine

PS: Sorry Dirk, hab Deine Antwort gerade erst gesehen. Auch Dir vielen Dank.
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon argentina » 2. Feb 2012, 01:26

Hallo Rockine,
Ich noch mal. Weißt du noch als du damals - September?- mit deinem Kind im Urlaub warst und du Angst bekamst etwas zu trinken? Es MUSS im Sep. gewesen sein, denn der war mein Alk freier Monat und ich hatte auch Angst zu trinken, aber das fällt mir jetzt erst wieder ein!!!

Schätzungsweise hast du echt eine Angst dem Alk gegenüber entwickelt, die jetzt hoch kommt, wo du wirklich keinen Alk mehr trinkst. Das erklärt auch warum du in deiner Angst Attacke keinen Alk trinken möchtest, du hast den wahrhaften Feind vor Augen und das ist nur gut so!!!!!!!!! Im großen und ganzen ist das das beste was dir passieren konnte, auch wenn die Angst dir nun im Nacken sitzt.

Hoffe das es dir bald wieder besser geht,

Lg Argentina
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon dphn » 2. Feb 2012, 10:31

und das ist eben der Punkt, warum es bei mir auch "funktioniert" mit der Trockenheit. Ich weiß, dass ich diesen Mist nur vom saufen habe und mir war schon klar, dass ich nur eine Chance auf Besserung habe, wenn ich aufhöre.
Nur bin ich durchs Aufhören auch nicht wirklich ein glücklicher Mensch geworden.

LG
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon WarzoEcht » 2. Feb 2012, 10:51

Wie wird man ein glücklicher Mensch? - Wenn ich glücklich bin, dann liegt es an Projekten, die mir Spaß machen; das können berufliche sein aber auch private.

Bei Reisen kam bei mir schon immer Freude auf und auch Glück. Im vergangenen Sommer fuhr ich zusammen mit einem mir sehr nahestehenden Menschen mit dem Motorrad von Süddeutschland nach London und hörte dort u.a. die kanadische Indie-Gruppe Arcade Fire im Hyde Park. Da war ich so glücklich, dass ich kurz mal heulen musste, und überhaupt war es eine glückliche (alkohol- und BAC-ferne) Zeit. Glück kam auf, als ich aus Versehen in Irland für einen Tag auf Great Blasket verbrachte http://de.wikipedia.org/wiki/Blasket_Islands Viele Iren in den USA sparen ein Leben lang, um noch einmal zurückzukehren in die untergegangene, baulich gut erhaltene Mikro-Monarchie und schaffen es trotzdem nicht, weil es sehr schwierig und gefährlich ist. Und ich stolpere dorthin, teilweise in einem Gummiboot, einfach weil an diesem Tag ungewöhnlich ruhige See war. Da war ich glücklich. Einer meiner besten Freunde lebt und arbeitet in Seattle (war früher bei Microsoft) und reist mit seiner Partnerin dreimal im Jahr in die Toskana. Ich habe das Gefühl, er ist glücklich.

Ich glaube, die Mischung machts. Ich bin manchmal wenigstens zufrieden, auch wenn ich an bestimmten Tagen merke: Heute kommt echt kein Glück auf. Manchmal hilft mir Sigmund Freud, der schrieb, reines Glück sei sowieso eine nicht zu erreichende Illusion, auch nicht durch Psychotherapie.

Manchmal liegt Glück in der Suche danach (der Weg ...). Im übrigen, Glück kommt von selbst zurück, auch wenn man sein Gehirn jahrelang sehr schlecht behandelt hat (Plastizität des Gehirns). Baclofen kann zu Glücksgefühlen beitragen, zum einen durch eine von manchen verspürte leicht anregende und befreiende Wirkung, vor allem aber wenn der Suchtdruck tatsächlich wegbleibt bzw. sehr stark zurückgeht. Das ist eine Voraussetzung für das temporäre Wiedererwachen von Glück, das immer nur von kurzer Dauer sein kann, das man aber in Erinnerungen an Erlebtes immer wieder auferstehen lassen kann, was mir gerade zweimal gelungen ist in diesem Glücks-Post.

LG warzo
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon rockine1 » 4. Feb 2012, 21:42

Hallo,

meine Angstgefühle haben sich wieder etwas gebessert. Habe mir in den letzten Monaten wohl zu viel zugemutet. System runterfahren und neu ordnen, ist ein guter Gedanke, und ja nicht zu sehr rein steigern und mich nicht stressen lassen. Ich fand übrigens auch die Postings zum Thema „Glücklichsein“ sehr aufbauend. Ich sollte mir viel öfter vor Augen führen, wie gut es mir doch eigentlich geht.

Liebe Argentina, zu Autosuggestionen komme ich leider selten. Ich mache zur Entspannung zwar des öfteren Autogenes Training. Aber wenn sich das Gedankenkarrussell zu stark dreht, komm ich in die Entspannung nicht rein. Und wenn es klappt, dann klappt es meistens ZU gut und ich schlaf ein, bevor ich zu den Autosuggestionen komme. Wie machst Du das?

So direkt hab ich das bisher nicht gesehen, aber es stimmt: Angst vor dem Alk!
Und mittlerweile glaube ich schon, dass es indirekt mit den Rückfällen zu tun hatte.
Denn ich hatte ja wieder Trinkwunsch und z. B. habe ich mich schon auf Silvester gefreut, denn da habe ich es mir ja quasi „genehmigt“, was zu trinken (natürlich gleichzeitig mit dem guten Neujahrs-Vorsatz, ab 1.1. nichts mehr zu trinken) und hatte auch KEINE Angst. Hat ja auch super geklappt.

Aber erst anschließend kamen die Erkenntnisse wie Hammerschläge auf meinen Kopf. Dass sich der FEIND (das ist er jetzt nämlich auch, nicht mehr mein Freund und schon gar nicht mehr der beste Freund, den wir ja auch schon oft besprochen haben) doch schon wieder von hinten an mich angeschlichen hat und ich es nicht mal richtig bemerkt habe. Dass ich doch beinahe wieder auf ihn reingefallen wäre!
Aber nicht mit mir. Ich sage ihm jetzt endgültig meinen Kampf an. Der soll mich endlich in Ruhe lassen! Das Problem ist ja nur, dass er auf jedem Fest wieder abhängen wird. Sollen sich andere mit ihm vergnügen, aber ich will es nicht mehr.

Lieber WarzoEcht, mich nervst Du jedenfalls nicht. Das brauch ich Dir ja nicht per PN schicken, oder?

Rockine
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon argentina » 4. Feb 2012, 22:29

Hallo Rockine,

Lach, ich habe dem Alk bzw. meinem Gehirn auch gerade den Kampf angesagt, mal sehen wie der ausgeht. Ich muss mir immer wieder vor Augen führen das er mein Feind NR.1 auf der Welt und in meinem Leben ist. Du hingegen hast ja wirklich schon körperliche "Angsterscheinungen" entwickelt die im übertragenen Sinne auch das beste sind was dir passieren konnte. Ich bekomme es im nachherein immer mit der nackten Angst zu tun wenn ich mich an betrunkene Augenblicke erinnere, in denen etwas hätte passieren können und ich eigentlich nur Gott sei Dank sagen kann das nie etwas passiert ist, vor allem in Hinblick auf meinen Sohn - da schnürt sich mir nach wie vor der Magen zusammen.

Ach so, ähh ich mache keine Autosuggestion, auch keine Meditation, obwohl ich es vor 10 Tagen anfangen wollte....ich lese aber Stundenlang über solche Dinge im Internet rum...vielleicht sollte ich wirklich mal damit anfangen als immer nur die Informationen zu verarbeiten? Bei vielen scheint ja Meditation toll zu helfen.

Ansonsten denke ich das die Mischung aus gutem Willen und Bac die beste Lösung ist dem Alk fern zu bleiben, auch wenn ich davon ausgehen kann das er sich eines Tages wieder aus dem Hinterhalt anschleicht.Dann muss man irgendwie gewappnet sein und nicht auf die "Lügen" reinfallen darf was uns das Gehirn dann vorgaukeln will.

Und noch ein Wort zum glücklich sein - wir unterschätzen alle oft was wir haben und erst wenn wir es uns vor Augen halten werden wir wieder daran erinnert. Deswegen denke ich auch das es mein persönlicher Fehler war, die Wirkung von Bac nicht viel früher viel mehr wert zu schätzen, denn was für ein Glück das ich dieses Medikament gefunden habe!

Wir hören uns,
Alles Gute, Argentina [hi_bye]
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon rockine1 » 5. Feb 2012, 22:55

Liebe Argentina,

Was mich JEDEN Tag kurz „glücklich“ macht, ist der Gedanke daran (und den hab ich täglich), dass ich die Sucht angepackt habe, wenn auch erst so spät. Dass ich doch noch die Kurve (dank Bac) gekriegt habe.

In Bezug auf mein 5-jähriges Kind hab ich auch ähnliche Gefühle wie Du.
Aber wenn ich ihn dann doch jeden Tag glücklich und zufrieden rum rennen und lachen sehe, dann hoffe ich doch, dass ich noch nicht alles verbockt habe.
Hab auch mal gelesen, dass ein schlechtes Gewissen (egal wegen was, sei es weil man arbeiten geht und das Kind in die Krippe gibt o.ä.) der „schlechteste Erziehungsratgeber“ ist, denn dann ist man immer versucht, ihm auf der anderen Seite wieder viel zu viele Belohnungen zu geben, um es wieder gut zu machen.

Aber im Moment will ich mich lieber nicht mit schlechtem Gewissen befassen, denn positives Denken ist angesagt!
Dass Du Dich mit Autosuggestionen, Meditation, usw. viele Stunden befasst, ist doch schon ein guter Anfang, gibt ja auch schon positives Denken. Aber dass wirklich was davon im Gehirn ankommt, dann muss das (zumindest beim AT) in der Tiefenentspannung erfolgen.

Aber jedenfalls sind wir alle auf einem guten Weg, hab ich das Gefühl, denn wir TUN was gegen den FEIND (bei mir wird er jetzt nur noch so genannt!). Den werde ich auf dem nächsten Fest so was von ignorieren. Und im Keller kann er bei mir zuhause auch verrotten, da stört er mich überhaupt nicht. Da darf er höchstens mal raus, wenn Besuch kommt. Ansonsten sieht der bei mir kein Tageslicht mehr!

Bis bald

Rockine
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon rockine1 » 10. Feb 2012, 23:00

Hallo an Alle,

die letzten Tage liefen wieder ganz gut (wenige Angstgefühle). Null Gedanken an Alk und auch keinen Trinkwunsch.

Habe Bac seit 1 Woche runter dosiert auf 6,25 mg/Tag und manchmal nehme ich gar nichts (weil ich ständig bis abends vergesse, es zu nehmen, und dann frag ich mich immer, warum dann überhaupt?).

Fühle mich in Bezug auf Alk momentan sehr stark; empfinde eher Wut und Hass auf ihn bzw. die Krankheit/Sucht an sich.
Hatte ich doch die ganzen Jahre über den (wohl sehr naiven) Gedanken, dass, wenn ich es irgendwann mal schaffen würde, von ihm loszukommen, ich wieder da weiter machen könnte, wie es vorher war. Im Moment kommt es mir so vor, als wenn die ganzen Jahre wie in einem Film an mir vorbeigezogen wären. Ich glaube, ich wollte gar nie „erwachsen“ werden und mit jeder neuen Verpflichtung, Verantwortung usw. habe ich umso mehr Alk in mich reingeschüttet.

Habe jedenfalls sehr komische Gedankengänge (wie Ihr lesen könnt) aber es geht aufwärts!

Liebe Grüße an Alle

Rockine
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Re: Auch neu hier und einige Fragen

Beitragvon dphn » 10. Feb 2012, 23:30

@rockine

Bei mir war es so, dass ich auch keine Verantwortung wollte. Aber nicht deshalb, weil ich nicht erwachsen werden wollte, sondern weil ich saufen wollte und dementsprechend viel "Freiraum" brauchte. War es bei dir nicht auch so?

LG
Dirk [hi_bye]
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